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Kommentar - Von Rainer Beutel (N-O) Bürgerservice ade - Ein Schritt zu mehr Verwaltungsverdrossenheit
Beispiel 1993: Nauheimer Genossen und der Bürgermeister diskutieren hier im Rathaus das Wahlergebnis - unmittelbar nach Vorlage der Zwischenergebnisse. © Archivfoto Rainer Beutel
10.3.26 - Bürgerservice wird vor Wahlen immer groß geschrieben. Bei der Kommunalwahl, die als wichtigste Entscheidung der Bevölkerung über die Zukunft ihrer Gemeinde angesehen werden darf, gilt dies offnebar nicht. ● Das ist, mit Verlaub, ein schwaches Bild, das die Verwaltung hier vermittelt. Denn was früher ohne Elektronik und computergestützte Datenübermittlung an ein Rechenzentrum funktionierte, klappt plötzlich nicht mehr? Und das hängt tatsächlich an zu wenig Personal bzw. anderen Aufgaben der Bediensteten? Was ist für den Service nötig, die Bürger zu informieren? Ein Computer und ein Beamer, der Anschluss ans Internet und eine weiße Wand für die Projektion. Das ist alles im Bürgersaal vorhanden. Dann wird noch eine Person gebraucht, die fähig ist, eine Seite zu aktualisieren, um die neusten Ergebnisse (die von der Verwaltung ohnehin an das zuständige Rechenzentrum übermittelt werden müssen) abzurufen. Das geht an einem herkömmlichen Windows-Rechner mit einem Tastendruck auf "F5". Es braucht also jemand, der alle paar Minuten einen Arm hebt und mit einem Finger auf eine Taste der Tastatur drückt. Klingt nicht nach einem großen Job. Die Hauptarbeit läuft im Hintergrund und muss sowieso erledigt werden. Dort sind die Veraltungsleute ohnehin tätig. Wirklich alle? Keine großen Erwartungen Es geht nicht um ein amtliches Endergebnis. Das erwartet niemand. Es dreht sich vielmehr - wie schon immer üblich - um einen vorläufiges Resultat. Wahlunterlagen von früher weisen ausdrücklich auf das "Zwischenergebnis" aus allen Wahllokalen hin. D as hat auch nichts mit fehlender Seriosität zu tun. Dann wäre ja auch der Kreis GG unseriös (vgl. Nachtrag weiter unten). Oder die gesamte Wahlberichterstattung, die auch über Trends informiert.Beispiel 1997: Da lag das Zwischenergebnis bei der Wahl zur Gemeindevertretung in Nauheim nachweislich um 19.22 Uhr vor. > Ein Foto sehen Sie im Beitrag zum Thema. ● Das (!) war Bürgerservice, auch wenn damals noch nicht panaschiert und kumuliert wurde. Ja, es wird (wieder) anstrengend am Sonntagabend. Dann dauert es halt eine Stunde länger. Das sollte zumutbar sein für jene, die sonst (hoffentlich) alles für die Bürger tun. Na gut, es ist nicht so. So sitzen die Nauheimer also am kommenden Sonntag abends zu Hause vor dem Rechner oder blicken auf ihr Handy und rufen dort die Daten ab. Dann sind auch die Gewählten oder Nicht-Gewählten nicht gemeinsam in einem Raum anzutreffen. Stimmungsbild und Bürgernähe ade. Vielleicht blicken die Bürger am Abend des 15. März auch einfach nur auf ihren Fernseher. ● Da läuft ab 20 Uhr bestimmt etwas Interessantes, was nichts damit zu tun hat, dass die Politik- ... nein, die Verwaltungsverdrossenheit zunimmt.
Nachtrag: Geht doch Am gestrigen Montag (9. März) hat die Pressestelle der Kreisverwaltung folgende Nachricht über die Ergebnispräsentation im Landratsamt am Wahlabend verschickt: "Sehr geehrte Damen und Herren, zur Präsentation der Trend-Ergebnisse der Kommunalwahl am 15. März 2026 laden wir Sie ins Groß-Gerauer Landratsamt ein. Im Georg-Büchner-Saal haben Sie Gelegenheit, das Eintreffen der Ergebnisse aus den Kommunen des Kreises zu verfolgen, Stimmungen einzufangen sowie mit Vertreter*innen aus der Politik/aus den Kreistagsfraktionen zu sprechen. Die Wahlergebnisse werden zudem auf der Homepage des Kreises Groß-Gerau (www.kreisgg.de) abgebildet. Neben der Präsentation aus dem Landkreis lässt sich via TV auch die hessenweite Wahlberichterstattung verfolgen. ● Termin: Sonntag, 15. März 2026, 18 Uhr ● Ort: Georg-Büchner-Saal/Landratsamt, Wilhelm-Seipp-Straße 4, Groß-Gerau Wir freuen uns, Sie am 15. März in Groß-Gerau begrüßen zu dürfen." |
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